Veskamyr

Palania

Einst war es nur ein großes Nichts.
Das war ewig und doch nicht.
So war es hell und es war dunkel.
Und obwohl nichts war, war doch etwas.

Denn es war der Aedhyo.
Und er wandelte im Nichts.
Bis er des Wandelns überdrüssig war.
Und er schuf einen Stein, auf den er sich setzte.

So geschah es, dass auch die Aedhyo zum Stein kam.
Und er sprang auf, auf dass sie sich setzen konnte.
Voller Dank ließ sie sich nieder.
Und zuerst wussten sie nicht, was zu sprechen.

Da nun sie ihm gefiel, wollte er ihr ein Geschenk machen.
So schuf er Pavatar, die Welt.
Und darauf hatte sie ein Heim, Theûben geheißen.
Dort zogen sie gemeinsam ein, denn auch er gefiel ihr.

Theûben nun war eine Insel.
In ihrer Mitte fußte der Berg Athas Dol.
An dessen Fuß fand sich der Grünwald.
Und durch den Grünwald floß der Nagal.

Das Haus der Aedhyos fand sich an dessen Ufer.
Tiere kamen dorthin, um zu trinken, und es schien ewiges Licht.
Doch trotz all dieser Schönheit wurde den Aedhyos die Zeit lang.
So schuf er sich er eine Flöte und auch sie schuf sich eine.

Und gemeinsam spielten sie die erste Note.
Die ward geheißen Eanili, die nie verklang.
So lauschten sie noch lange ihrem ersten Kind hinterher.
Denn Eanili war überall und zu jeder Zeit.

Schließlich nahm der Ton eine Gestalt an.
Klein und buckelig und dürres graues Haar.
Gebleckte Zähne grinsten die Aedhyos an.
Sodann verschwand die Gestalt.

Sie ward fortan nicht mehr gesehen.
Nur hören konnte man den Eanili von da an stets.
Und es war den Aedhyos, als hätten sie etwas geholt.
Etwas aus dem Nichts, wie sie selbst.

Lange schwiegen nun die Aedhyos.
Und auch die Tiere gaben keinen Laut.
Erst nach langer Zeit nahmen sie ihre Flöten wieder zum Mund.
Doch siehe da, als sie spielten, erklangen drei Töne.

Einer klang schön, lieblich und hell.
Und einer, der klang dunkel und böse.
Dieser gefiel den Aedhyos gar nicht.
Die Bäume wichen ihm und wo er klang, ward es finster.

Vom dritten Ton wusste keiner, woher er kam.
Er klang zwischen den beiden anderen.
Und er missfiel so wenig, wie er gefiel.
Denn es war der Ton, der die anderen verband.

Und dieser war es, der darauf achtete, dass keiner der anderen zu stark erklang.

Auch diese drei Töne nahmen Gestalt an und sie waren die Sithrim geheißen.
Paras, der das Licht in sich trug.
Fisk, der Graue.
Und Sjomen, an dem die Dunkelheit haftete.

Sofort entbrannte ein Streit zwischen Paras und Sjomen, wer zuerst dagewesen sei.
Und Paras sprach: “Geh fort, Bruder, der du mit Dunkelheit diesen Ort befleckst!
Siehst du nicht, dass ich das wahre Kind der Aedhyos bin?”
Es erwiderte Sjomen: “Auch ich entsprang ihrem Flötenspiel und ich war der ersten,
den man vernahm, so bin ich der Stärkere.”
Und mit diesen Worten griff der finstere den hellen an.
In ihrem Kampf entfernten sie sich von Theûben nur der Graue blieb zurück.

Traurig über den Streit ihrer Söhne blickten die Aedhyos auf den letzten der Sithrim,
der dem dritten Ton entsprungen war.
Und sie sprachen:
“Fisk, woher du auch kamst, es scheint deine Aufgabe zu sein, deine Brüder vor sich selbst zu schützen.
Wir werden eine Welt aus dem Meer erheben, auf der ihr Zwist ausgetragen werden soll.
Doch deine Aufgabe sei es, darauf zu achten, dass keiner der beiden zu stark wird.”

So eilte denn Fisk übers Meer und als er seine Brüder fand, berichtete er vom Vorschlag der Aedhyos.
Doch er verheimlichte seine Aufgabe und sprach stattdessen, er werde sich am Wettkampf beteiligen.

Kaum hatte er zu Ende gesproche, da setzte wieder die Musik der Aedhyos ein.
Aus dem Meer steig ein blühendes Land, Darvan geheißen.

Sofort schuf Sjomen sich einen Diener, den er Fallax nannte.
Und Fallax war der erste der Sistar.
Dieser warf seinen Mantel, Dor-Malem, über die Welt und es ward dunkel.
Und alles unter dem Mantel ward Sjomen hörig, denn nichts anderes hatte es je gesehen.

Auch Paras erschuf einen Diener, und es war Lumina und Lumina brachte das Licht.
Lumina brachte Ajardar hervor, die Sonne, und sie jagte Dor-Malem.

So entstanden Tag und Nacht, denn Dor Malem und Ajarda, die ersten Siterun jagen sich stets.
Nie jedoch erreichen sie sich.

Nun gebar Fisk Gogol.
Dieser mächtige Sistar flog ins Wasser und machte es zu seinem Reich.
Und seine Siterunia waren die Sabanen, die Schatten.
Und sie kündigen seither vom baldigen Ende von Tag und Nacht.

Kurz nach Gogol ward auch Reda geboren und auch sie flog ins Wasser.
Dort säte sie Leben aus und bald darauf begann es zu wimmeln und sie kreuchen, als dieses Leben aufs Land kroch..

Lumina gab Ajarda einen Beutel voller Samen, den sie verteilen sollte, währen sie Dor Malem jagte.
Und so kamen die Blumen, die Sträucher und die Bäume nach Darvan.
Und der erste der Bäume war Haisig und auch er war ein Sisterung.

Einige dieser Samen drangen tief ein in Fallax Reich.
Sie leuchten in der Dunkelheit und wir kennen sie als die Sterne.

Weil Fisk die See beherrschte und seine Tiere Meer und Land bevölkerten, wollte auch Sjomen und Paras ihre Boten dorthin schicken.
Sjomen schickte Salmar, der Ajarda abhalten sollte, Dor Malem zu jagen.
Und weil sie ihm auszuweichen trachtet, hat sie nicht immer die gleiche Kraft und das Jahr ward geteilt in die Jahreszeiten.
Auch den Regen haben wir heute Salmar zu verdanken sowie große Dürre.
Um diese Unwetter zu vertreiben, entsandte Paras Zephyras, den zornigen Sturm.
Und er kühlte die Erde, wenn sie zu heiß wurde.

An dieser Stelle betreten auch wir die Welt, denn die Ewigen Aedhyos beschlossen, ein weiteres Mal in den Wettstreit einzugreifen.
Und sie schufen drei Völker: Zwerge, Menschen und Elfen.


In dieser Version der Schöpfungsgeschichte spricht man von zwei Aedhyos: ihm und ihr, doch offensichtlich hat auch der Eanili schöpferische Kraft. Unklar bleibt, ob er ein weiterer Aedhyo ist, den die Musik gerufen hat, oder ob er eigentlich nur ein Sithrim ist. Da jedoch er selbst an der Erschaffung der Sithrim teilhatte, ist es möglich, ihn zwischen Eltern und Kindern einzuordnen.

Vielleicht rührt seine höhere Macht daher, dass bei seiner Zeugung die Töne der Aedhyos im Einklang waren.