Veskamyr

Die Bewahrer Durbaks

Wenn Glaube zu Kirche wird, ist das oft verbunden mit Brutalität, Unterdrückung, Progromen, gewaltsamer Missionierung, Inquisition, übersteigertem Aberglauben und Diskriminierungen. Die Bewahrer Durbaks, die sich selbst auch als eine Kirche bezeichnen, gingen nie diesen Weg. Stattdessen bedeutete bei ihnen dieser Prozeß einen Rückzug und die Einnahme einer extrem defensive Haltung.

Aber wer weiß, ob das so bleiben wird. Denn erst jetzt sind Bewahrer Durbaks aus ihrer selbstgewählten Isolation ausgebrochen und die ersten ihrer Priester strömen in die Welt…

Um jedoch zu verstehen, wer die Bewahrer Durbaks oder “die Windpriester”, wie sie auch genannt werden, wirklich sind, ist es nötig, sich die Geschichte von Wertrusch einmal anzusehen:

Wertrusch war Hirte und sein Zeit ist längst Vergangenheit. Damals, als er gerade 16 Jahre alt war, verirrte er sich eines Tages mit seinen Ziegen im Gebirge. Er war an einen Ort gelangt, den er noch nie zuvor gesehen hatte, und wohin er auch ging, er gelangte wieder dorthin. In seiner Verzweiflung ließ er sich zwischen den Tieren nieder und versuchte, einen Lösung für sein Problem zu finden. Darüber schlief er ein. Der Traum, der ihn diesen Schlaf über beschäftigte, ist festgehalten auf der ersten Steintafel von Durbak, auch die Große Steintafel genannt. Er schlief mehrere Tage.

Wertruschs Traum oder die große Vision

Zu einer Zeit, lange bevor es die Menschen gab, einer Zeit, die man heute noch das Fiskon nennt, gab es nur die Unsterblichen. Sie lebten glücklich im ewigen Nichts.

Doch gibt es keine ewige Glückseligkeit. Zwietracht kam unter die Unsterblichen und ein großer Streit brach aus zwischen denen, die sich Daimonen nannten und denen, die sich Götter nannten. Die Daimonen hatten es sich zum Ziel gesetzt, die Götter zu beseitigen.

Mit einer List vergifteten sie die Götter, so daß diese in einen äonenwährenden Schlaf fiel, um sie ungestört zu vernichten. Doch noch bevor sie Hand an ihre Feinde legen konnten, warfen sich die Telom, die Diener der Unsterblichen, über die Götter, um sie zu schützen.

Die Daimonen konnten nun nicht mehr an die Körper der Götter heran. Lange Zeit begnügten sie sich damit, daß die Götter so zumindest ausgeschaltet waren und wandelten weiter im Nichts.

Doch nun geschah etwas Wunderbares. Durch den Atem der Götter beseelt wurden die Körper der Telom zu einem Ganzen - unserer Welt, und diese heißt deshalb auch Telom. Außerdem entstand auf Telom Leben und als die Dämonen wieder einmal nach den schlafenden Göttern sehen wollten, sahen sie, daß dort nun eine blühende Welt entstanden war. Verärgert wollten sie diese Welt zerstören, doch das Göttliche, das alles umströmte, verhinderte dies. So mußten sich die Dämonen andere Wege einfallen lassen.

Lange Zeit beobachteten sie Telom. Sie sahen dabei viele Völker kommen und gehen. Sie sahen die Pflanzen, die Tiere, die Menschen, die Zwerge, die Elben, die Flüsse, die Seen, die Berge und die Täler, die Wüsten und die Sümpfe. Schließlich nahmen sie Gestalten an, wie sie auch auf Telom zu finden waren. Einige wurden zu Bäumen, einige zu Tieren und wieder andere zu Menschen und Zwergen. Dabei stellten sie fest, daß Menschen wie auch ganz besonders Zwerge tiefe Löcher in die Erde gegraben hatten, und seitdem suchten sie nach den Löchern in Telom - denn das war kein vollkommenes Gebilde - durch die sie zu den Göttern hinabsteigen konnten, um diese endlich zu zerstören.

Wetrusch erwachte und fragte sich, was er von dem Traum halten solle. Als er seine Ziegen sammelte, kam er an eine Felsspalte, aus der kalter Wind strömte. Der Wind wirbelte um Wetrusch. Da dämmerte es ihm, daß der Traum die wahre Geschichte der Welt war, und daß er soeben einen der Zugänge gefunden hatte, die die Daimonen schon so lange suchten.

Er kniete nieder, mußte dieser Wind, der aus dem Inneren von Telom (“Telom?”, sagte er wirklich schon “Telom”?) doch der Atem der schlafenden Götter sein. Da verschleierte sich sein Blick erneut und er erhielt die zweite Vision, die auf der kleinen Steinplatte festgehalten ist. Darin sah er eine dunkle Gestalt in diese Spalte hinabsteigen. Was er danach sah, kann er nicht in Worte fassen, doch verstand er, daß diese Szene das Ende der Welt, die er so liebte, bedeuten konnte.

“Durbak” sprach er danach - Der Atem der Götter (oder: Der Atem Gottes) in seiner Sprache.

Schnell machte er sich auf den Weg, um nach Hause zurückzukommen. Wie durch ein Wunder fand er den Weg dieses Mal, ohne sich ein einziges Mal zu verlaufen, geführt durch die göttliche Kraft im Wind, der ihn umströmte.

Zurück im Dorf glaubten ihm nicht alle, doch einige geleiteten ihn zur Spalte, die sie alle bereits Durbak nannten. Als auch sie die göttliche Kraft des Windes dort spürten und ebenfalls Wetruschs zweite Vision erhielten, waren sie sich einig, daß dies der Atem der Götter / Gottes sein mußte. Und Durbak mußte beschützt werden, damit die Dämonen die Spalte nicht nutzen konnten.

Ein neuer Glauben war geboren.

Um Durbak entstand eine Art Kloster. Das ganze Dorf zog hinauf in die Berge. Wetrusch wurde der erste Priester des neuen Glaubens. In den nächsten 400 Jahren erhielten die Priester in Durbak (wie inzwischen die ganze Siedlung einfacherweise genannt wird) noch einige Visionen, die alle auf den Tafeln von Durbak festgehalten sind, doch war nie wieder eine Vision so klar wie die erste.